PM: Gradierwerke erhalten, Salinental retten

PM: Gradierwerke erhalten, Salinental retten

Eine Polemik von Stefan Butz

Touristischer Selbstmord aus Angst vor dem finanziellen Tod: Dazu hat Bürgermeister und Kämmerer Wolfgang Heinrich (inzwischen formal in der SPD) den Finanzausschluss aufgefordert. Das Unglaubli- che ist: Der Finanzausschuss ist dem heinrich’schen Irrsinnsvorschlag gefolgt, nach dem zwei Gra- dierwerke, oft auch Salinen genannt, im Salinental abgerissen werden sollen (verrotten lassen, bis es nicht mehr anders geht, ist dabei nur eine verschleiernde Form des Abrisses). Man müsse ja sparen.

Es reicht eine unvorhergesehene Abstimmungssituation bei der kommenden Stadtratssitzung und das größte Freiluftinhalatorium Europas mit seinen insgesamt sechs Gradierwerken, ein einmaliges Ge- samtensemble, dass seinesgleichen sucht, wäre bald Geschichte. Und Bad Kreuznach, die Kur- und Touristenstadt, hätte höchstselbst und komplett freiwillig eine ihrer größten touristischen Attraktionen schwer beschädigt, sehenden Auges vom Kämmerer der Stadt herbeigeführt.

Geht’s noch?

Klar, Salinen kosten ja tatsächlich Geld und Bad Kreuznach hat kein Geld. Die heinrich’sche Schlussfol- gerung daraus: Weg damit. Folgt man dieser Logik, hat Herr Heinrich allerdings etwas übersehen: Da sind ja noch vier weitere Gradierwerke im Salinental, die man abreißen könnte. Und die letzt Saline im Kurpark Bad Münster? Kostet auch nur, weg damit! Das Inhalatorium am Kurhaus? bestimmt auch nicht günstig. Und überhaupt: Bäderhaus, Cruceniathermen, Haus des Gastes: Alles Kostenstellen. Nach dieser Logik müsste man das schwer beschädigte Brückenhaus mit der Schwedenkugel nicht sanieren, sondern abreißen. Denn da stehen ja noch andere Häuser auf der Brücke. Was für ein Irrsinn!

Die Frage ist schon gar nicht mehr, ob an der Spitze des Kämmereiamts Lack gesoffen wurde, sondern nur noch, welche Marke und wie viel.

Statt Vorschläge zu machen, die die Stadt nachhaltig schädigen, könnte man ja ausnahmsweise einmal versuchen, Dinge etwas vernünftiger zu lösen:

Das Salinental wird in Bad Kreuznach immer gerne als „größtes Freiluftinhalatorium Europas“ bewor- ben. Außerhalb Bad Kreuznachs sicherlich auch, oder?

Bestimmt haben zuständige Mitarbeiter*innen der Verwaltung und der städtischen Gesellschaften schon längst zum Beispiel alle Lungenfachkliniken im Umkreis abgeklappert um dort ein paar Faltblät- ter zu den gesundheitlich erwiesenen Vorteilen des Salinentals da zu lassen. Schließlich könnte das ja den Patient*innen helfen und Bad Kreuznach hätte ein paar Tagestourist*innen mehr. Bestimmt haben sie das auch im größeren Umkreis getan: Schließlich könnte man so Wochenendtourist*innen generie- ren. Oder haben sie das etwa nicht?

Und wer kennst sie nicht: Die große Werbetafel am Frankfurter Hauptbahnhof, die fürs Salinental wirbt. Hey, Frankfurter, bei uns gibt’s ne frische Seebrise – nur eine Zugstunde entfernt. Oder gibt es da keine Werbetafel?

Oder die viele, gut gemachte, spannende, informative Werbung übers Salinental auf Youtube, Face- book, Instagram und Twitter mit jeweils eigenen Auftritten, Kanälen und Seiten fürs Salinental: Wer kennt sie nicht? Kennt niemand? Komisch …

Dann doch aber bestimmt die Radio- und TV-Werbung und die Print-Anzeigen im Reiseteil von Zeitun- gen: Überall Salinental. Nee? Doch nicht? Erstaunlich, dass man bei der Stadt wohl meint, dass die ganzen Tourist*innen einfach so, quasi durch Magie, ins Salinental kommen und Geld da lassen.

So könnte man, bevor man die Abrissbirne schwingt, vielleicht auch mal versuchen, diese Menschen- massen, wenn sie dann nach ein, zwei erfolgreichen Werbemaßnahmen endlich ins Salinental kom- men, darauf aufmerksam machen, dass der Erhalt von Gradierwerken echt ins Geld geht. Und dann könnte man versuchen, die Gradierwerke und das Salinental zu monetarisieren. Nein, ich spreche nicht von so plumpen Ideen wie Eintritt.

Bevor man im Bereich Vermarktung und Monetarisierung nicht zumindest mal die ein oder andere halbwegs kreative Idee ausprobiert hat, sollte man sich nicht genau die touristischen Schätze kurz und klein hacken, mit denen man Menschen in die Stadt locken will.

Aber anscheinend braucht man im Kämmereiamt ja keine Menschen mit Geld, keine Touristen. So gut steht offenbar die Stadt Bad Kreuznach finanziell da, das muss man sich mal vorstellen. Wahrscheinlich werden bald die Bordsteine vergoldet. Anders kann ich mir nicht erklären, dass man die Pfunde, mit denen man gefälligst wuchern und Geld daraus generieren sollte, möglichst schnell loswerden möch- te.

Nur weil das Salinental miserabel vermarktet wird, muss man es nicht willentlich zerstören. Man könnte es auch schlicht besser vermarkten. Und in Gänze mit all seinen Gradierwerken erhalten.

 

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